Diplomarbeit

Diplomarbeit von Tim Seeger. Im Juli 2009 habe ich meine Diplomarbeit an der Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere e-Finance an der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main eingereicht. In Folge die Einleitung der Diplomarbeit:

Wettbewerb unter europäischen Handelsplätzen: Einleitung

Bis zum Jahr 2007 konzentrierte sich der börsliche Handel von Aktien nahezu vollständig auf zentrale Börsenplätze. Aktien wurden vorwiegend am Ort ihrer Zulassung gehandelt. Als Folge entstand eine Quasi-Monopolstellung von einzelnen Börsen in den jeweiligen Märkten. Hohe Börsengebühren, wenig Innovationen, zum Teil nicht mehr der Zeit entsprechende Handelssysteme, sowie nationale Besonderheiten waren charakterisierend für den europäischen Aktienmarkt.

Durch die Finanzmarktrichtlinie der Europäischen Union (Markets in Financial Instruments Directive, kurz MiFID) wurde ein Rahmen für europaweiten Wettbewerb zwischen Handelsplätzen geschaffen. Die MiFID musste bis zum 1. November 2007 durch Gesetze in einzelstaatliches Recht umgesetzt werden. Als Folge war die Gründung von alternativen Handelsplätzen (Multilateral Trading Facilities, kurz MTFs) möglich, über die europäische Aktien, unabhängig vom Ort ihres Listings, gehandelt werden können.

Bereits am 30. Mai 2007 startete mit Chi-X die erste alternative Plattform zum Handel europäischer Aktien. Diese stand vom Anfang an in unmittelbarer Konkurrenz zu etablierten Börsenplätzen. Darauf folgten das von Banken initiierte MTF Turquoise im August 2008, Nasdaq OMX Europe im September 2008 und BATS Europe Ende Oktober 2008. Diese Handelsplattformen bieten nicht nur deutlich niedrigere Gebühren als die bisherigen Anbieter, sondern versuchen durch schnelle und innovative Handelssysteme die Bedürfnisse bestimmter Marktteilnehmer besser zu bedienen.

Der Marktanteil der MTFs stieg seit deren Start kontinuierlich. Besonders das starke Wachstum der MTFs Chi-X, Turquoise und BATS Europe hat die Marktanteile beim Handel europäischer Aktien stark verschoben. In Großbritannien hatte die London Stock Exchange zum 10. Juli 2009 im Orderbuch-basierten Handel von Aktien des FTSE 100 nur noch einen Marktanteil von 66,5 Prozent. Also bereits ein Drittel des Handelsumsatzes wurde über MTFs abgewickelt. Ähnlich ist die Situation in den Niederlanden, in Frankreich, in Deutschland und in anderen bedeutenden Märkten Europas.

Die traditionellen Börsenplätze reagierten auf die neuen Marktteilnehmer mit der Anpassung bzw. Senkung der Gebühren und dem Start bzw. der Planung eigener Plattformen zum Handel europäischer Aktien. Als Folge haben sich die Handelsgebühren europaweit verringert. Offensichtlich ist es den Gesetzgebern der Europäischen Union mit der MiFID erfolgreich gelungen Wettbewerb zwischen Handelsplätzen zu schaffen.

Ungewiss ist hingegen, wie sich die Fragmentierung der Märkte auf die Liquidität des Primär- und Gesamtmarktes auswirkt. Der Handel einer bestimmten Aktie, der sich bisher auf praktisch einem Marktplatz konzentrierte, ist inzwischen über eine Vielzahl von Handelsplätzen verteilt. Daher ist es fraglich ob eine gegebene Transaktion noch zu den gleichen Kosten ausgeführt werden kann, wie sie es vor dem Eintritt alternativer Handelsplattformen konnte.